Qingyang Tempel, was wörtlich übersetzt "Tempel der schwarzen Ziegen" oder aber auch "Palast der grünen Ziegen" bedeutet, ist der wunderbarste und aktivste daoistische Tempel Chengdus. Der Name wird mit vielen Mythen assoziiert, z.B. dem, in dem Lao Tse (der mythische Gründer des Daoismus) behauptete, er würde auf einem Marktplatz wiedergeboren, auf dem schwarze Ziegen verkauft würden, oder dem einer Versammlung daoistischer Heiliger, bei der schwarze Ziegen gesehen wurden. Was auch immer an dem Namen sein mag, er wurde angenommen, als im 9. Jahrhundert einige außergewöhnliche Phänomene zur Ausgrabung einer Schatulle führten, die ein Siegel enthielt, auf das mit altertümlichen Schriftzeichen eine daoistische Nachricht geschnitzt worden war. Eine Reihe von Hallen in diesem Tempel wurden Heiligen des daoistischen Firmaments gewidmet, wie z.B. Lao Tse, einer der Dreifaltigkeit der höchsten Gottheiten des Daoismus. Darüber hinaus wurden einige Hallen dem Jade-Kaiser, der den obersten Rang der himmlischen Kaiser einnimmt, gewidmet und weitere Hallen geringeren Gottheiten. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie religiöse oder spirituelle Handlungen sehen, die sie hier nicht erwartet hätten. Obwohl der Daoismus seine eigenen Götter und Texte hat, war er anderen Einflüssen gegenüber immer sehr offen und absorbierte Gedanken, die wir sonst eher mit Glaubensbekenntnissen des Konfuzianismus, Buddhismus oder von Naturreligionen assoziiert hätten.

Der Tempel hat neben seinem öffentlichen auch einen eher privaten Bereich, in dem die Mönche leben und beten. Die Anlage ist großflächig und gepflegt, und die meisten ihrer heutigen Gebäude stammen aus dem 17. Jahrhundert. Sie können Ihren Besuch mit der Berührung der Ziegenstatue beginnen, die Glück bringen soll und dann zu den Haupthallen der Verehrung weitergehen. Um ein gutes Verständnis dafür zu bekommen, wie hier daoistische Philosophie und einheimische chinesische Naturreligionen zusammenfließen, sollten Sie Folgendes nicht verpassen: die 8 Trigramme auf dem ‚Bagua Ting’ (Pavillon der Acht Trigramme); die 81 Drachen die sich auf die chinesische Numerologie beziehen; und die Gläubigen, die in der Haupthalle Stäbchen aus einem hölzernen Becher schütteln. Wenn ein Stäbchen herausfällt, bringt der Gläubige es zu einem der Seitenräume, in denen ein daoistischer Priester ihm dafür eine entsprechende Auslegung einer stillschweigend gestellten Frage gibt. Wenn Sie Ihr Glück testen wollen, dann schütteln Sie sich selbst ein Stäbchen oder versuchen Sie, Münzen auf Ihr chinesisches Sternzeichen zu werfen.

Zusätzlich zu den vielfältigen Hinweisen der Philosophie und Völkerkunde, die man in dieser heiligen Stätte der chinesischen Gedankenwelt antreffen kann, gibt es auch eine beeindruckende Vielfalt von traditionellen daoistischen Traditionen. Die Alchemie, die hier einst gewissenhaft betrieben wurde, ist in ihrer Erforschung von physikalischen und biologischen Gesetzen, mit der für den Tempel traditionellen Ausübung der chinesischen Medizin eng verbunden. Die Wirkung der Meditation wird bei der kunstvollen Ausübung von Tai Chi mit präziser Muskelkontrolle kombiniert. Die kunstvolle Teezeremonie des Tempels wird in dem Raum vollführt, in dem auch das daoistische Orchester musiziert. Die Kombination der vielfältigen Ideologien, Erscheinungen, Bräuche und Künste, die man im Qing Yang Tempel antrifft, wirken wie die Krönung einiger der originellsten und faszinierendsten Aspekte der traditionellen chinesischen Kultur.

 

 
   
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