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„Wir befinden, dass Ihr Land 60 oder 70.000 Li (drei Li sind ca. eine Meile oder 1,6 km) von China entfernt ist. Dennoch kommen barbarische Schiffe zum Handel hierher, mit der Absicht enormen Profit zu machen. Chinas Reichtümer werden zum Profit der Barbaren genutzt. Das heißt, dass der gesamte enorme Profit, der von den Barbaren gemacht wird, Chinas rechtmäßigem Anteil entnommen wird. Mit welchem Recht nutzen Sie dann im Gegenzug dieses gefährliche Rauschmittel dazu, um das chinesische Volk zu vergiften? Selbst wenn die Barbaren uns nicht unbedingt absichtlich Schaden zufügen wollen, so scheuen Sie jedoch aufgrund ihres extremen Begehrens nach Profit nicht davor zurück, anderen Schaden zuzufügen. Lassen Sie uns fragen: Haben Sie denn kein Gewissen? Ich hörte, dass das Rauchen von Opium in Ihrem Lande strengstens verboten ist, und zwar deshalb, weil die Gefahren Ihnen wohl bekannt sind. Wenn Sie verboten haben, was Ihrem eigenen Land Schaden zufügt, so sollten Sie noch viel weniger tolerieren, dass der Schaden an ein anderes Land weitergegeben wird – am allerwenigsten an China! Unter all´ den Dingen, die China in fremde Länder exportiert, gibt es nicht ein einziges, das den Menschen nicht zuträglich wäre: Sie bringen Nutzen wenn sie gegessen oder gebraucht oder wiederverkauft werden: Sie sind alle segensreich“. (1) Es ist nicht bekannt, ob die Königin den Brief jemals gelesen hat, aber Lin’s Argumente hinterließen in England einen gewissen Eindruck. Für eine Weile schaute die Britische Regierung bestürzt auf die Geschäfte ihrer eigenen Händler. Als die Briten jedoch einen neuen Handelskommissar als Regierungsbeamten ernannten und somit den East India Company Repräsentanten ersetzten, musste dieser Beamte, der keinerlei Kontrolle über die Händler hatte, die Integrität der britischen Krone beschützen. Ein Geschehen folgte dem nächsten, und schon bald dämmerte beiden Seiten, dass kriegerische Auseinandersetzungen wohl unvermeidlich waren. Die Engländer blockierten Ningbo, einen großen Hafen in der Nähe von Schanghai, und segelten nach Tianjin, wo sie Verhandlungen mit den Chinesen aufnahmen. Im Januar 1841 wurde eine Übereinkunft erzielt, aber als Anzeichen darauf, wie weit beide Seiten tatsächlich von einander entfernt waren mag dienen, dass sowohl der chinesische Kaiser als auch der britische Außenminister wütend auf ihre Unterhändler waren, weil sie kein besseres Ergebnis für ihre jeweilige Seite erreicht hatten. Etwa 18 Monate später wurde ein weiteres Abkommen unterschrieben; dieses war so ungerecht, dass die Chinesen es bis heute nicht verwunden haben. Nicht nur wurde Hong Kong verschenkt und die Kowloon- Peninsula an die Briten verpachtet, sondern darüber hinaus wurde im Abkommen von Nanking vertraglich festgelegt, dass Schanghai und vier weitere Küstenhäfen, für den Handel und mit Wohnrechten ausgestattet, geöffnet werden würden, und er sicherte Königin Viktoria sogar finanzielle Entschädigung zu. Äußerst bezeichnenderweise enthielt das Abkommen den folgenden Artikel: „Es wird vereinbart, dass der höchste Offizier ihrer britischen Majestät in China mit den höchsten chinesischen Offizieren, sowohl in der Hauptstadt als auch in den Provinzen auf der Basis völliger Gleichberechtigung, korrespondieren soll“. Dies ist der eigentliche Einstieg Chinas in die raue Wirklichkeit moderner internationaler Diplomatie. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte China andere Länder entweder bestenfalls als Vasallenstaaten angesehen, oder, wenn von überlegenen militärischen Kräften bedroht, hatten sie versucht, ihrem Schicksal durch Handel oder Bestechung zu entgehen. Es sollten weitere 20 Jahre, eine ruinöse Besetzung Beijings, die bis heute für Verdruss sorgt und eine Re-Legalisierung von Opium ins Land gehen, bevor die Chinesen formell ein „Büro für die Beziehungen mit fremden Ländern“ einrichteten. Ihr erster wirklicher Versuch, internationale Diplomatie einzuführen. (1) Aus Ssuyu Teng und John Fairbank’s „Chinas Response to the West“ (Cambridge MA: Harvard University Press, 1954), repr. In Mark A. Kishlansky, ed. “Sources of World History”, Volume II (New York: HarperCollins CollegePublishers, 1995) pp. 266-69. | |||